Ohrringe bilden eine äußerst attraktiven Schmuck, der mittlerweile überall auf der Welt zuhause ist und für einen tollen Anblick sorgt. Dabei trifft man auf die unterschiedlichsten Arten von Ohrringen, sodass jeder Mensch wirklich immer die Objekte findet, die am besten zu einem selber, zum Outfit und auch zur eigenen persönlichen Einstellung passen. En Blick in die Geschichte der Ohrringe macht deutlich, dass es nicht immer nur Schmuck war. Ohrringe hatten und haben teilweise auch heute noch eine wichtige Aussage, die sowohl religiöser als auch politischer Natur sein kann.

Die Antike als Geburtsstunde der Ohrringe

Bereits in der Antike ist das Tragen von Ohrringen verbreitet gewesen, zumindest in den höheren Kreisen, bei denen Schmuck zu Leben dazu gehörte. So zeigen Überlieferungen und Relikte aus der minoischen Kultur darauf hin, dass schon in der Zeit von 3.000 bis 1.200 v. Chr. Ohrringe eine übliche Art und Weise waren, den Körper zu verzieren.

Die Minoer waren damals bekannt für ihre optimale Handwerkskunst und vor allem die Herstellung von Schmuck aus Gold, Silber, Kupfer und Bronze, den sie als Händler auch an die Nachbarvölker verkauften, wodurch die Ohrringe zum Beispiel auch in Griechenland, in der Türkei und in Ägypten verbreitet wurden. Zudem stieß man auf Mumien aus noch früheren Zeiten, die Ohrlöcher hatten und vermuten lassen, dass auch die Ohrringe getragen hatten.

Das Mittelalter bildete schließlich für die Frauen eine längere Pause, was die Ohrringe als Schmuck betrifft. Üblich waren zu dieser Zeit Frisuren, die die Ohren komplett bedeckten. Somit hätten Ohrringe im Mittelalter überhaupt nicht zur Geltung kommen können. Stattdessen war es in dieser Zeit Brauch, dass das Haar selber mit Schmuck dekoriert wurde.

Ohrringe als Zeichen für Erfahrung und Absicherung

Im Laufe der Zeit und spätestens im 16. Jahrhundert kam es wieder vermehrt zu diesem Brauch und die Ohrringe wurden auch zu einem Schmuck, der wenn auch seltener auch bei Männern anzutreffen war. So gibt es viele Bilder von Francis Drake oder William Shakespeare, die sich so schmückten, und bei Seeleuten und vor allem Piraten hat man das Tragen von Ohrringen sowieso immer vor Augen, wobei dort auch immer von einer symbolischen Bedeutung gesprochen wird.

So gibt es Überlieferungen, dass die Größe eines Ohrringes ein Ausdruck der Erfahrung der Seeleute war und je länger diese schon um die Welt gesegelt waren, desto größer waren die Ohrringe. Zudem wird erzählt, dass Seeleute Ohrringe aus Gold als Art Absicherung für ihren Tod trugen.

Wurden sie tot irgendwo geborgen, konnte mit dem Erlös der Ohrringe das Begräbnis bezahlt werden. Vertraut man der östlichen Medizin, waren Ohrringe auch ein Mittel für die Bekämpfung von Augenleiden, sodass vielen Piraten auch nachgesagt wird, sie würden durch das Tragen von Ohrringen besser sehen können wollen.

Ohrringe als gesellschaftspolitische Stellungnahme

Mit Ohrringen soll oft auch etwas Spezielles ausgesagt werden. Vor allem die 1960er Jahre waren bekannt dafür, dass die in dieser Zeit eher missachteten Ohrringe absichtlich getragen wurden, um gegen den Strom zu schwimmen und sich zum so genannten Nonkonformismus zu bekennen. Männer begannen Ohrringe zu tragen, um ihr sexuelle Orientierung nach außen zu tragen. Besonders wichtig ist die Betrachtung des Ohrringes als gesellschaftliches Symbol vor allem in der afrikanischen Vergangenheit.

Creolen Ohrringe haben eine alte, politische Wirkung

Denn ein weiteres geschichtliches und politisches Kapitel der Ohrringe befasst sich mit den Creolen als sehr ausgefallene Ohrringe. Dabei handelt es sich um runde und große Ohrringe, die vor allem in karibischen und schwarzen Kulturen immer ein Zeichen von Stärke, Kraft und Widerstandsfähigkeit waren. Die Bezeichnung Creole, die vom surinamischen Wort creool stammt, bedeutet Sklave und deutet auch darauf hin, dass Ohrringe eine Art Markierung war. So wurde mit solchen Ohrringen in der Kolonialzeit deutlich gemacht, wenn Afrikaner Sklaven waren und jemandem gehörten.

Damit diese traurige Geschichte nicht in Vergessenheit gerät und vor allem aber auch um ihren Stolz auf die Herkunft und die Wurzeln auf dem afrikanischen Kontinent zum Ausdruck zu bringen, trägt ein Großteil der schwarzen Bevölkerung heute goldene Ohrringe. Es ist vor allem auch ein Zeichen für ein zum Glück gewachsenes Selbstvertrauen, das nicht zuletzt durch Männer wie Martin Luther King und durch ihn ins Leben gerufene Bürgerrechtsbewegung entstehen konnte.

In der westlichen Welt dienen Ohrringe dabei meistens nur noch als modisches Accessoire, während woanders eine tiefe religiöse Bedeutung zu finden ist. Im Islam ist es Männern zum Beispiel untersagt, goldenen Schmuck zu tragen und auch im Judentum ist die Meinung verbreitet, dass Gold als Symbol für den Luxus direkt zum Untergang führen würde. Betrachtet man also die Vergangenheit und besondere Kulturen, sind Ohrringe weit mehr als einfach nur ein Schmuck.

Solch wichtige Bedeutungen sollte man im Hinterkopf behalten. Es sollte aber auf keinen Fall dazu führen, Abstand von Ohrringen als Schmuckstück zu nehmen. Denn dafür sind sie einfach viel zu attraktiv und bilden zudem ja auch immer ein sehr individuelles Statement, auf das man nicht verzichten sollte.